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Die Bedeutung der Überlebenden für die Staatsgründung Israels

Sonntag, 27. Mai 2018 | 12 Uhr | Kleine Bühne

Als die Juden nach Deutschland flohen

© Kiepenheuer & Witsch

Hans-Peter Föhrding

Heinz Verfürth

Autorenlesung von Hans-Peter Föhrding und Heinz Verfürth

Wer weiß schon, dass nach dem Zweiten Weltkrieg über 250.000 Juden nach Deutschland flohen und als Überlebende der Schoah in vielen DP-Lagern (für „Displaced Persons“, also Entwurzelte, Staatenlose) unter dem Schutz der Alliierten ein neues Leben begannen? Antisemitische Exzesse, besonders in Polen, hatten diese Fluchtbewegung 1946/47 ausgelöst. Vor der neuen Verfolgung retteten sie sich ausgerechnet ins Land der Täter. Aber sie suchten lediglich den Schutz der westlichen Alliierten, vor allem der Amerikaner. Die DPs kamen keineswegs, um hier auf Dauer zu bleiben, sondern glaubten sich nur auf der Durchreise nach Palästina. Ein großer Teil zog schließlich nach der Staatsgründung Israels 1948 dorthin weiter, viele auch in die USA.

Der rote Faden des Buches ist das Schicksal der Lea Waks. In Lodz geboren, überlebte sie das dortige Ghetto. 1946 verließ sie Polen mit ihrer Familie panikartig. Zunächst lebte Lea im DP-Lager Ziegenhain in Hessen, dann mit ihrem Mann Aron und zwei Söhnen in verschiedenen Camps. Diese Lager wurden in Selbstverwaltung geführt, mit allen Elementen traditionellen osteuropäischen Judentums, Synagogen, Schulen, Ausbildungsstätten, Theatern. Für die Familie Waks dauerte die Lagerzeit allerdings ein ganzes Jahrzehnt. 1957 nahm sie die Jüdische Gemeinde in Düsseldorf auf, wo sie drei Jahrzehnte als Textilkaufleute lebten.

Die Instrumentalisierung dieser Flüchtlinge durch die Besatzungsmächte, vor allem auch durch den Jischuw, die jüdische Gemeinschaft in Palästina, ist Schwerpunkt der Lesung beim Festival. Stand die Wiege des im Nahen Osten geborenen Staates in Bayern? Das meint zumindest der Historiker Dan Diner, weil die überlebenden Juden Osteuropas, die sich vor allem im Raum München sammelten, ein politischer Hebel im Gründungsprozess gewesen seien. Ben-Gurion hatte sie bei seinen Besuchen in den Lagern 1945/46 eindringlich aufgefordert, nach Eretz Israel zu kommen: „Ihr müsst es tun, weil ihr ein enormer Faktor seid, eine politische Macht“.

Siehe auch:

http://www.spiegel.de/einestages/israels-staatsgruendung-die-hilfe-der-holocaust-ueberlebenden-a-1207248.html

© Fotos (schwarz-weiß) Privatarchiv Ruwen Wak